Verjährung bei Werkverträgen I

In der rechtlichen Praxis wird man immer wieder mit der Frage konfrontiert, wie lange „Mängel“ oder „Schäden“ bei Verträgen, welche die Erstellung eines „Werkes“ wie etwa die Errichtung eines Hauses zum Gegenstand haben, geltend gemacht werden können. Gerade beim Hausbau verhält es sich oft so, dass sich Fehler in der technischen Ausführung erst nach Ablauf von Jahren offenbaren. Versucht der Besteller nach Erkennbarwerden dieser Mängel den Werkhersteller (Bauunternehmung, Elektriker, Installateur, etc.) damit zu konfrontieren, wird er oft der Antwort begegnen, dass die Gewährleistungsfrist bereits abgelaufen wäre und man daher nicht mehr verpflichtet sei kostenfrei irgendwelche Reparaturen vorzunehmen.

Der Besteller ist sich dabei oft nicht bewusst, dass der Werkhersteller für das von ihm errichtete Werk nicht nur Gewähr innerhalb der gesetzlichen Gewährleistungsfristen zu leisten hat, sondern dem Besteller auch grundsätzlich 30 Jahre lang aus dem Titel des Schadenersatzes haftet. Es ist zwar zutreffend, dass Gewährleistungsansprüche innerhalb der gesetzlichen Fristen – diese betragen bei Werkverträgen in der Regel 3 Jahre – gerichtlich geltend gemacht werden müssen, gerade aber für „versteckte Mängel“, das sind solche, die erst nach längerer Zeit erkannt werden, steht dem Besteller ein Schadenersatzanspruch innerhalb einer Verjährungsfrist von 30 Jahren ab Übergabe zur Verfügung, wobei der Schaden ab Kenntnis binnen 3 Jahren gerichtlich geltend zu machen ist.

Erweist sich daher etwa ein Kanalrohr 5 Jahre nach Übergabe als undicht, ist der geschädigte Bauherr durchaus in der Lage diesen Mangel (Schaden) gegenüber dem Bauunternehmen geltend zu machen und durchzusetzen, auch wenn die Gewährleistungsfrist von 3 Jahren bereits abgelaufen ist.

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