Mobbing

Was früher als schikanieren, bloßstellen oder fertigmachen bezeichnet wurde, wird nunmehr unter dem Begriff Mobbing zusammengefasst und lässt sich als systematische Ausgrenzung und Verletzung der Würde eines Menschen durch eine oder mehrere Personen definieren. Grundsätzlich lässt sich dieses Phänomen überall antreffen, wo Menschen miteinander interagieren. Von zentraler Bedeutung ist das Problem des Mobbings allerdings in der Arbeitswelt. Eine Untersuchung der EU hat ergeben, dass 5 % aller Arbeitnehmer in den letzten 12 Monaten an ihrem Arbeitsplatz von Mobbing betroffen waren. In 44 % der Fälle findet Mobbing unter Kollegen und in 37 % von Vorgesetzten gegenüber Untergebenen statt.

Die Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz sind vielfältig. Sowohl die Persönlichkeit des Täters als auch des Opfers, schlechte Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen, Mängel in der Kommunikations- und Informationsstruktur, Über- und Unterforderung oder eine Organisationskultur, die keine hemmenden Mechanismen gegen Mobbing kennt, können entscheidende Faktoren sein.

Viele Arbeitgeber verkennen, dass es sich bei Mobbing nicht um ein bloß zwischenmenschliches Problem ihrer Arbeitnehmer handelt, sondern, dass sie arbeitsrechtlich aufgrund ihrer Fürsorgepflicht dazu verpflichtet sind, einzuschreiten. Diese Fürsorgepflicht wird für Arbeiter aus   § 1157 ABGB und für Angestellte aus § 18 AngG abgeleitet und umfasst nicht nur die im Gesetz ausdrücklich erwähnten Schutzobjekte Leben und Gesundheit.

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitnehmer vor Mobbing zu schützen und dazu solche Maßnahmen zu setzen, die ein allenfalls noch andauerndes Mobbing unterbrechen und dafür sorgen, dass es in Hinkunft zu keinen Übergriffen mehr kommt. Dafür stehen ihm arbeitsrechtlich verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Als mildeste Maßnahmen kommen die Ermahnung und Versetzung in Frage und als ultima ratio die Kündigung oder Entlassung des Mobbingtäters. Im Sinne der Verhältnismäßigkeit hat der Arbeitgeber jeweils das Ausmaß der Mobbinghandlung selbst und ihre Folgen für das Opfer bei der Wahl der Maßnahmen zu berücksichtigen.

Verletzt der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht, so kann der Arbeitnehmer in gravierenden Fällen berechtigt sein, seine Arbeitsleistung zu verweigern. Unter bestimmten Voraussetzungen ist der Arbeitnehmer auch zum Austritt aus dem Arbeitsverhältnis berechtigt. Treten durch Mobbing psychische Beeinträchtigungen mit Krankheitswert auf, kommen auch gegen den untätigen Arbeitgeber Schadenersatzansprüche wegen Körperverletzung in Betracht.

Um negative arbeits- oder schadenersatzrechtliche Folgen hintanzuhalten, sollten Arbeitgeber beim Auftreten von Mobbing rasch und entschlossen reagieren. Häufig genügen bereits die Offenlegung des Konflikts und der Hinweis, dass Mobbing im Unternehmen nicht geduldet wird, um das Mobbinggeschehen abzustellen. Zur Beratung von Arbeitgebern und Mobbingopfern steht meine Kanzlei gerne zur Verfügung.

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